Die Sächsische Staatsregierung hat im September 2011 eine Bereitstellung von zusätzlichen 40 Millionen Euro zur Kofinanzierung von Nachwuchsforscherguppen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds beschlossen. Die Vergabe der Mittel wurde sachsenweit an Hochschulen beworben, woraufhin Zahlreiche Projektanträge für Nachwuchsforschergruppen und Promotionsstipendien beim Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) eingingen. Viele der Anträge erfuhren eine positive fachliche Begutachtung, darunter auch einige Forschungsprojekte sowie Stipendien der Hochschule Zittau Görlitz und des Internationalen Hochschulinstitut Zittau.
Geplanter Projektbeginn sollte der 1.1.2012 sein. Der Termin wurde dann durch das SMWK auf den 1.4.2012 verschoben. Ende März hieß es in einem Newsletter des SMWK, dass die oben genannte Kofinanzierung des Freistaats (25%) durch das Sächsische Staatsministerium für Finanzen (SMF) noch nicht umgewidmet wurde und die Projekte folglich erst im “Sommer 2012″ beginnen können. Dies bedeutet eine effektive Verkürzung der Projektlaufzeiten auf gerade einmal zweieinviertel Jahre bis zum Auslaufen der Förderperiode im Dezember 2014. Eine fast einjährige Verzögerung steht hier im Kontrast zu strikten Terminvorgaben bei der Einreichung der ESF-Förderanträge beim SMWK. Die im Rahmen dieser Förderungen angestrebten Promotionen sind nun innerhalb der drastisch verkürzten Förderperioden kaum noch umsetzbar.
Von betroffener Projektinitiatoren ist bekannt, dass bereits Fachkräfte für die Besetzung der Stellen gewonnen werden konnten. Laut Angaben der Sächsischen Aufbaubank, welche die Projektabwicklung koordiniert, betrifft das landesweit mehrere hundert Fachkräfte,
insbesondere aus den MINT-Fächern. Aufgrund der Verzögerung bei der Mittelumwidmung kann man im Hochschulbereich nur äußerst selten eine Zwischenfinanzierung für das angeworbene Personal finden. In der Regel müssen sich die Betroffenen arbeitslos melden, was aufgrund der Restriktion nur neue Absolventen einstellen zu dürfen, auf den Bezug von ALG II
hinausläuft. Es ist nachvollziehbar, dass dies für hochqualifizierte Absolventen eine Demütigung darstellt, wo sie doch deutschlandweit als begehrte Experten gefragt sind. Auch das Land Sachsen ringt derzeit um Fachkräfte. Aus dem selben Grund wurde die ESF-Förderungen in Sachsen initiiert, nämlich um Fachkräfte in der Region zu halten und sie für die
Bedarfe der hiesigen Wirtschaft weiter zu qualifizieren.
Das SMF und SMWK haben die ESF-Förderung ad absurdum geführt. Man kann dies als Versagen der Ministerialverwaltung ansehen und findet darin Harald Noeskes Thesen vom desolaten Regierungsstil von Stanislav Tillich bestätigt. Das Nachsehen haben in jedem Fall die betroffenen Forscher und Hochschulen, insbesondere auch die TU Dresden mit ihrer Bewerbung in der Exzellenzinitiative.